Allgemein

15.05.2020

Der nochmalige starke Preisrückgang beim Erdöl in der letzten Aprilwoche hat sich auch auf die Pflanzenöle ausgewirkt. Dabei hat es Palmöl und die Laurics (Palmkern + Kokos) etwas stärker beeinflusst als Sonnenblumenöl und Rapsöl.
Der „Lockdown“ hat die globale Nachfrage massiv reduziert, vor allem im Energie-/Biodieselsektor. Der Konsum wird die weltweit produzierte Ölmenge zwar noch immer übersteigen, doch vor Monaten wurde das Defizit bei ca. 4-6 Mio To Öl erwartet. Inzwischen wird es nur noch auf knapp 1 Mio To geschätzt.
Die Mehrheit der fundamentalen Daten zeigen nach wie vor auf festere Preise. In der EU ist es viel zu trocken, was schlechte Ernten nach sich ziehen wird. Die nun eintretenden Lockerungen in einigen Ländern könnten zu einer erhöhte Nachfrage führen. Der Importbedarf von China und Indien könnte wieder (stark) zunehmen, denn deren Lager sind inzwischen deutlich gesunken.
Andererseits könnte die Wirtschaft noch einige Zeit schwach bleiben, was den Bedarf grundsätzlich einschränkt. Ausserdem werden tiefe Erdölpreise die Nachfrage nach Biodiesel weiter eindämmen.
Die Situation bleibt somit unverändert. Die weitere Preisentwicklung wird sehr stark davon abhängig sein, wie lange dieser Lockdown noch anhalten wird und wie gross sich der daraus entstandene wirtschaftliche Schaden auswirken wird.


Sonnenblumenöl und High Oleic Sonnenblumenöl

Sonnenblumenöl ist dem Einfluss des Biodieselmarktes nicht so stark ausgesetzt wie andere Pflanzenöle. Gleichzeitig lagen die Verkaufsmengen auf einem guten Niveau. Vor allem die Türkei hat in den letzten Wochen grosse Mengen aus der Schwarzmeer-Region eingekauft, um dem Exportstopp von Russland zuvorzukommen. Doch nun ist die Preisdifferenz zu den anderen Pflanzenölen grösser geworden, was die Nachfrage eingedämmt hat. Zudem hat auch der starke Bedarf aus dem Detailhandel nach Sonnenblumenöl in Flaschen nachgelassen, da die „Hamsterkäufe“ zurückgegangen sind. Die meisten Privathaushalte haben nun ihr Lager angelegt.
Somit ist einerseits die momentane Nachfrage eher schwach und die Lager in Europa sind grundsätzlich gut gefüllt. Andererseits ist Sonnenblumenöl preislich nach wie vor attraktiver als Rapsöl, was zu weiteren Verschiebungen führen könnte. Ausserdem ist nach den starken Verkäufen die Verfügbarkeit der Ukraine für die bestehende Ernte gesunken.
Solange sich diese beiden Seiten gegenseitig neutralisieren dürfte der Preis seitwärts tendieren.

Der Markt für das High Oleic Sonnenblumenöl hat sich nach dem konventionellen Sonnenblumenöl gerichtet. Die Prämien sind stabil geblieben.


Tendenza: stabil


Rapsöl

Die lange Trockenperiode im April hat den Feldern in Europa und der Schweiz stark zugesetzt. Der kürzlich gefallene Regen hat zwar etwas Linderung verschafft, er ist jedoch zu spät gekommen und zu wenig intensiv ausgefallen.
Somit werden wir bereits zum zweiten aufeinanderfolgenden Mal eine schlechte Ernte erhalten.
In der EU wird sie nur noch auf ca. 16.7 Mio To Saaten geschätzt, was sogar noch unter der letztjährigen tiefen Menge von ca. 17 Mio To liegen wird. Die EU wird zwar wieder versuchen, grosse Mengen zu importieren, doch muss damit gerechnet werden, dass die verfügbare Ölmenge erneut zurückgehen wird.
Auf Grund des Lockdowns und durch den extrem tiefen Erdölpreis ist die Nachfrage vor allem aus dem für den Raps wichtigen Biodieselsektor stark zurückgegangen. Dies hat trotz den schlechten Aussichten der neuen Ernte die Preise auf tiefem Niveau belassen. Sobald sich jedoch die Nachfrage wieder etwas normalisiert, werden sich die fundamentalen Faktoren durchsetzen und die Preise werden steigen.
In der Schweiz sieht die Situation leider ziemlich gleich aus. Zwar dürfte die Ernte mit ca. 75 Thd To wahrscheinlich noch knapp höher ausfallen als im letzten Jahr, doch liegt sie wiederum deutlich unter der für den CH-Bedarf erforderlichen Menge. Der CH-Raps wird nun gehandelt, aber die Preise liegen deutlich über dem letzten Jahr.


Tendenza: steigend


Erdnussöl

Die Coronakrise hat zu einem Teil auch das Erdnussöl beeinflusst. Auf Grund der Ausgangssperre in Indien sind deren Exporte zurückgegangen. Auch die Feldarbeit ist momentan sehr eingeschränkt. Andererseits ist aber im März/April die Nachfrage aus den grossen Importländern wie Italien und den USA eingebrochen. Nur in China schien sich die Coronakrise nicht auf den Bedarf von Erdnüssen ausgewirkt zu haben.
Nun hat aber in der EU die Nachfrage nach Erdnüssen wieder zugenommen. Es scheint, dass der Lockdown zu mehr (Privat-)Konsum in diesem Bereich geführt hat. Allerdings sind jedoch die Lieferketten zum Teil unterbrochen gewesen. Dies hat dazu geführt, dass die Lager in der EU inzwischen deutlich gesunken sind. Hinzu kommt, dass die Erdnüsse aus den USA Qualitätsprobleme aufweisen, weshalb für die EU die Abhängigkeit von Argentinien gestiegen ist. Dort ist jedoch die alte Ernte schon seit einiger Zeit ausverkauft und die neue wird erst in den kommenden Wochen verfügbar sein und auf den Markt kommen.
In Senegal ist die Situation nach wie vor verworren, denn es gibt keine Informationen über die im Inland noch verfügbare Menge von Erdnüssen. Dadurch können die eigenen Ölmühlen keine Produktionspläne erstellen und es ist unklar, mit welchen Ölmengen noch gerechnet werden kann.
Die Lage bleibt deshalb angespannt.


Tendenza: stabil-steigend


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