Allgemein

10.7.2020

Der Stillstand der Wirtschaft scheint für Erste überwunden. Mit den Lockerungsmassnahmen hat der Konsum in den letzten Wochen wieder zugenommen. Dies zeigt sich auch in den erhöhten Exportmengen der beiden grössten Pflanzenöle, Sojaöl und Palmöl. Zudem haben China und Indien wie erwartet grosse Mengen eingeführt, um ihre inzwischen sehr tiefen Lager wieder aufzufüllen.
Nun gibt es aber schon wieder erste negative Anzeichen, denn in Indien scheint eine 2. Coronawelle ausgebrochen zu sein, was einen erneuten (Teil-) Lockdown zur Folge hatte. Noch ist unklar wie stark sich dies auf die weltweite Nachfrage auswirken wird, denn Indien ist einer der grössten Importeure von Pflanzenölen.
Grundsätzlich wird erwartet, dass der Konsum vor allem in Indien, China und den USA per 2021 wieder deutlich steigen wird. Andererseits bleibt die grosse Unsicherheit bestehen – gibt es eine 2. Coronawelle und wie stark wären die Auswirkungen?
Die fundamentalen Daten zeigen vermehrt auf einen steigenden Markt. Aber diese externen Faktoren können erneut einen grossen Einfluss auf den Trend ausüben.


Sonnenblumenöl und High Oleic Sonnenblumenöl

Die Verfügbarkeit aus Osteuropa ist erwartungsgemäss gesunken und in Argentinien wird weniger gepresst als angenommen, da die argentinischen Farmer ihre Saaten nur zurückhaltend anbieten.
Gleichzeitig hat es eine Teilverschiebung vom Rapsöl zum Sonnenblumenöl gegeben. Die Preise für die bestehende Ernte sind somit etwas gestiegen. Dies hat nun dazu geführt, dass bis zur neuen Ernte nur noch das unbedingt Notwendige eingekauft wird, denn die Notierungen für die neue Ernte liegen tiefer.
Die Wetterbedingungen sind in Osteuropa noch immer sehr gut, so dass im Herbst 2020 weiterhin mit einer sehr guten Ernte gerechnet werden kann. Allerdings sind die kommenden Monate entscheidend für die Felder. Die ersten Prognosen für die neue Ernte liegen bei weltweit ca. 57 Mio To Saaten, da vor allem die Anbaufläche ausgeweitet worden ist. Dies entspricht einer Zunahme von ca. 1.5 Mio To. Damit steigen auch die Pressmengen, so dass mit einer höheren Ölmenge gerechnet werden darf.
Allerdings sind diese guten Aussichten bereits mehrheitlich in den Preisen eingerechnet. Bei gutem Wetterverlauf dürfte die Preise einigermassen quer verlaufen.
Nach einer längeren Phase mit hohen Prämien sind die Zuschläge der neuen Ernte für das High Oleic Sonnenblumenöl in den letzten Tagen/Wochen gesunken. Dazu beigetragen haben einerseits die guten Aussichten des konventionellen Sonnenblumenöls sowie die voraussichtlich höhere Verfügbarkeit in der neuen Saison.


Tendenza: stabil


Rapsöl

Die effektive Ernte in der Schweiz ist weiterhin ungewiss. Die Felder werden in den kommenden Wochen geerntet, doch die Erwartungen bleiben pessimistisch.
Auch die Aussichten in der EU haben sich nicht geändert. Möglicherweise kann das aktuelle Wetter noch eine kleine Korrektur verursachen, doch es wird definitiv eine schlechte Ernte geben. Nun kommen auch aus der Ukraine Meldungen von grosser Trockenheit, so dass deren Ernte ebenfalls tiefer ausfallen dürfte als bisher angenommen. Dies ist deshalb wichtig, da die Ukraine ein grundsätzlich wichtiger Lieferant für die EU ist. Aus Kanada kommen unterschiedliche Informationen. Einerseits scheint die Anbaufläche zurückgegangen zu sein, andererseits sind die Wetterbedingungen so gut, dass höhere Felderträge erwartet werden können. Somit wird aktuell mit ungefähr der gleich guten Ernte gerechnet wie im letzten Jahr.
Die Produktion von Biodiesel ist in der EU wieder interessanter geworden. Noch liegen die Produktionskosten für viele Hersteller unter oder nur knapp auf der Gewinnschwelle. Sollte sich die Differenz jedoch weiter vergrössern, erhöht sich auch die Gewinnspanne und die Nachfrage könnte weiter anziehen.
Grundsätzlich bleibt die Lage angespannt.


Tendenza: steigend


Erdnussöl

Für die aktuelle Saison 2019/2020 wird die weltweite Erntemenge nun mit ca. 31 Mio To Nüsse leicht höher eingeschätzt als noch vor einigen Monaten. Vor allem aus Afrika werden etwas bessere Zahlen gemeldet. Somit liegt die globale Menge zwar ca. 1 Mio To über dem Vorjahr, aber im Vergleich zu den früheren Jahren sind die Ernten nach wie vor unterdurchschnittlich.
Erfreulicherweise lag der Konsum von ganzen Erdnüssen ungefähr auf dem gleichen Niveau wie in der vergangenen Saison, so dass etwas mehr Öl produziert werden konnte.
In den letzten Wochen/Monaten sind keine bzw. nur sehr wenige Mengen aus Afrika auf den Markt kommen werden. Somit konnten die Erdnüsse bzw. das Erdnussöl nur noch aus Argentinien und zum Teil aus Indien sowie Brasilien beschafft werden. Deshalb haben sich die Preise auf hohem Niveau stabilisiert.
Bis Ende Saison wird sich die Verfügbarkeit nicht verbessern und die Lage bleibt somit angespannt. Entlastungen könnten frühestens mit den neuen Ernten eintreten, doch sind hier die Prognosen momentan noch sehr unklar.


Tendenza: stabil-steigend


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